Mikroorganismen benötigen wie alle Lebewesen Wasser, um Stoffwechselvorgänge aufrechtzuerhalten. Viele Mikroorganismen bevorzugen ein wässriges Milieu. So können in Wasser, das zum menschlichen Verzehr bestimmt ist, auch gefährliche Krankheitserreger vorkommen. Schon ein einziger Schluck kontaminiertes Wasser kann zu schwerer Erkrankung bis hin zum Tod führen. Als Beispiel seien große Choleraepidemien genannt, die auch in der Neuzeit, vor allem in Katastrophengebieten, immer wieder auftreten.

Auch Trinkwasser in Deutschland ist nicht frei von Keimen. Trotz sachgerechter Aufbereitung durch die Wasserversorger kann es noch Kleinstlebewesen enthalten. Meist sind dies entweder harmlose Wasserbewohner oder Bakterien und Viren, die in Konzentrationen, wie sie nach der Aufbereitung noch vorliegen, nicht zu einer Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung führen.

Bakterielle Erreger fäkaler Herkunft wie Escherichia coli und Enterokokken sowie die Protozoen Giardia lamblia und Cryptosporidium parvum lassen sich durch die Ausweisung von Trinkwasserschutzgebieten und professionelle Aufbereitung zuverlässig vom Trinkwasser fernhalten. In der Hausinstallation kann die Vermehrung von Mikroorganismen ungleich schwerer verhindert werden. Hier findet man häufig Umweltkeime, die bei entsprechend prädisponierten Menschen (Ältere, chronisch Kranke oder immungeschwächten Patienten) schwere Infektionskrankheiten hervorrufen können.

Das Bakterium Legionella pneumophila ist momentan wahrscheinlich der in Deutschland häufigste Erreger von wasserbedingten Infektionen und Todesfällen. Die Legionellose zeigt den klassischen Symptomkomplex einer Grippe mit Fieber und Schüttelfrost, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen, gelegentlich auch mit Übelkeit und Bauchschmerzen. Frühzeitig antibiotisch therapiert, genesen die meisten Patienten. Solange sich der Keim im Wasser befindet, ist er ungefährlich für Menschen. Allerdings kann dessen Einatmung – wenn Wasser z.B. in der Dusche zerstäubt und in Form von Aerosol gebunden ist - zur gefährlichen Legionellose mit Lungenentzündung führen. Legionellen leben in Symbiose mit anderen Bakterien, meist in Form von Biofilmen. Sie kommen auch vergesellschaftet mit einzelligen Amöben vor, in denen sie sich vermehren können. Höhere Legionellenkonzentrationen, die zu Infektionen führen können, finden sich insbesondere in weitverzweigten Warmwassersystemen, in Kühltürmen und Klimaanlagen, aber auch in Wasser, das bei Zimmertemperatur über einen längeren Zeitraum in der Leitung stagniert. Auch in zahnärztlichen Behandlungseinheiten sind die wasserführenden Systeme häufig von Legionellen befallen. Bei zahnärztlichem Personal wurden erhöhte Antikörpertiter gegen Legionellen gefunden. Menschen mit einem geschwächten Immunsystem sowie Patienten auf Intensivstationen haben ein stark erhöhtes Risiko, an Legionellose zu erkranken.

Ein weiterer Wasserkeim, Pseudomonas aeruginosa, ist für gesunde Menschen harmlos, allerdings kann dieser Keim Harn- und Atemwegsinfektionen sowie Wunden bei Klinikpatienten auslösen. Daneben ist er auch als Erreger der sog. „Whirlpool-Dermatitis“ bekannt. Von besonderer Bedeutung ist, dass Pseudomonas aeruginosa durch ärztliches oder Pflegepersonal leicht auf Patienten übertragen werden und bei diesen zu schweren Infektionen führen kann. Der Keim ist sehr anspruchslos und kann sich sogar in vollentsalztem Wasser vermehren. Wie Legionellen leben Pseudomonaden häufig vergesellschaftet in Biofilmen, deren schleimige Oberfläche die Mikroorganismen vor dem Angriff durch Desinfektionsmittel schützt.

Quellen: 

  • https://www.umweltbundesamt.de/
  • Botzenhart, K. (1996); Dt Ärztebl; 93: A-2142–2144